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Der ukiyoe-Holzdruck- Was ist das???

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default Der ukiyoe-Holzdruck- Was ist das???

Beitrag von Harutsubomi-chan am Mo Jun 22, 2009 2:29 am

Mit Erscheinen Hokusais „36 Ansichten des Fujiyama“ 1830 und Hiroshiges „53 Stationen der Ostmeerstraße“ (Tokaido) 1832- 1834 eroberte die Landschaft den japanischen Ukiyo-e- Holzdruck.
Das Wort Ukiyo-e bedeutet soviel wie „Bilder der fließend vergänglichen Welt“ und leitet sich ursprünglich von der buddhistischen Vorstellung des illusionären, nichtigen Charakter diesseitiger Existenz ab.
In der Edo- Zeit kam ein hedonistischer Beigeschmack dazu und wurde mit amüsanten Vergnügen des Stadtvolkes in Teehäusern und Freudenvierteln, im Kabuki- Theater und bei Sumo- Turnieren in Zusammenhang gebracht. Wegen der kürze und Unbeständigkeit des Lebens lautete die Devise, sich treiben zu lassen und den Augenblick zu genießen. Außerdem galt es, alle Sinne den vergänglichen Genüssen zuzuwenden. So heißt es auch in dem 1661 erschienenen Roman „Geschichte von der fließenden Welt“ (Ukiyo monogatari) von Asai Ryoi: „Für den Augenblick leben, Mond, Kirschblüten und Ahornblätter betrachten, den Wein, die Frauen und das Dichten lieben, der Armut, die einem ins Auge sticht, mit einem humorvollem Scherz begegnen und sich davon nicht entmutigen lassen, sich vom Strom des Lebens treiben lassen wie eine Kalebasse, die stromabwärts driftet, das bedeutet ukiyo.“
Bis zu den 1830er Jahren diente die Landschaft nur als Hintergrundkulisse auf Porträts. Danach wurde die Landschaft zum eigentlichen Kontext. So wie bei Hokusai und Hiroshige, bei denen sich die Figuren in die Landschaft fügen mussten.
Der Holzdruck stieß vor allem bei der Landbevölkerung und bei den Stadtbewohnern auf Begeisterung, was unter anderem auch am billigen Preis lag. Es lag aber auch daran, dass die Künstler ihre Emotionen und Stimmungen in den Holzdrucken ausdrückten.

Nach dem Sieg über die anderen Fürsten von Toyotomi Hideyoshi und Tokugawa Ieyasu, gelang es, Die Macht zu zentralisieren. Den wirtschaftlichen Aufschwung im 16. Jahrhundert verdankte man dem Seehandel mit Portugiesen und Spaniern und dem Export großer Mengen von Silber, das man gegen Gold eintauschte.
Als Vasallen waren die Daimyo dem Shogun zu absoluter Loyalität verpflichtet. Zwar durften sie ihre Fürstentümer selbst verwalten und auch durch die ihnen unterstehenden Krieger (Samurai) für Ordnung sorgen, andererseits waren sie jedoch der ständigen Kontrolle durch die Militärregierung ausgesetzt.

Die Stadtbevölkerung und die Bauern hatten ständig die Möglichkeit, die Feudalfürsten mit bis zu 3000 Gefolgsleuten dabei zu beobachten, ihre Reisen umzusetzen. In Hiroshiges ersten Serie der „53 Stationen der Ostmeerstraße“ schildert er z.B. die Prozession eines Daimyo beim Abstieg durch das bedrohlich grau gefärbte Tal des Hakone- Passes zum Ashi- See auf der Strecke zwischen Odawara und Mishima. Zu dieser Zeit waren die wichtigsten Verkehrswege Ostmeerstraße (Tokaido) und die gebirgige Inlandroute Kisokaido. Diese wurden oft von Händlern und Handwerkern, privat Reisenden und Pilgern genutzt. Im 19. Jahrhundert nahm die Pilgerlust der Japaner zu und sie pilgerten zu berühmten Tempeln, Shinto- Schreinen und heiligen Bergen. Eine beliebte Reise führte nach Enoshinma. Ebenfalls beliebt war der Oyama- Berg. Diese Reisen wurden auf vielen der Ukiyo-e- Holzschnitte dargestellt.


Merkmale und Technik


Der Ukiyo-e- Holzdruck entstand aus der Tradition der städtischen Ateliermaler (mashi eshi), die als anonyme professionelle Künstler nicht den angesehenen Malschulen angehörten und deren Bilder preisgünstig waren. Um der ständig anwachsenden Nachfrage nachkommen zu können entwickelten sie den Holzdruck, der Massenproduktionen ermöglichte. Zunächst handelte es sich nur um Schwarzdrucke, dann gelang der Vielfarbendruck bis 1765 zu voll ausgereifter Blüte. Damals wurden die Druckblöcke noch nicht vom Künstler geschnitten, sondern von spezialisierten Holzschnitzern (horishi), während für das individuelle Abziehen der Blätter wiederum Drucker (surishi) zuständig waren. Planung, Leitung und Vertrieb lagen in der Hand des Verlegers, der die Drucker, Plattenschneider und Zeichner zu recht geringem Lohn engagierte. Die Holzschnittzeichner galten als Handwerker. Ab 1790 trugen die Holzschnitte Zensurstempel (kiwame, was genehmigt bedeutet) und von 1849 bis 1857 Datumsstempel und Marken der Zensoren. In der auf die Hungersnot (1832 bis 1838) folgenden Reformperiode von 1841 bis 1843 wurden Porträts von schönen Frauen und Schauspielern verboten. Stattdessen sollten die Künstler historische Helden, die Loyalität und Tapferkeit fördern sollten darstellen.
Nach der Vorlage einer Schwarz- Weiß- Zeichnung auf dünnem, durchscheinendem Papier, die mit der Vorderseite auf die Druckplatte geklebt wurde, schnitt der Holzschnitzer zunächst eine Umrissplatte. Dabei wurden die Linien genau umschnitten und die zwischen ihnen liegenden Holzpartien abgetragen, bis das Tuschegerüst der Zeichnung allein in erhabenen Flächen stehen blieb. Der Zeichner erhielt nun Probeabzüge dieser Umrissplatte und fertigte für jede gewünschte Farbplatte eine eigene Vorlage an, indem er in die vorgesehenen Felder schriftlich den gewünschten Farbton eintrug. Oft wurden bis zu zwölf Farbplatten für einen Druck benötigt.
Der Drucker war auch für das Mischen der Farben zuständig, die aus Pflanzenextrakten bestanden.

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